Ausgabe 04/26 -

Unbeschwert in den Urlaub

Sommerzeit ist Reisezeit. Doch verlorenes Bargeld, hohe Kartengebühren oder Betrug bei Buchungen können die Urlaubskasse schnell belasten. Mit guter Vorbereitung und etwas Wissen über Verbraucherrechte lassen sich viele Probleme vermeiden.

Endlich liegt man am Strand, der Cocktail lockt – doch der Verkäufer akzeptiert nur Bargeld, und man hat keines dabei. Beim Stadtbummel schlägt ein Taschendieb zu, und die Kreditkarte ist weg. Oder am Flughafen sorgt ein unerwartetes Ereignis für Chaos und durchkreuzt die Reisepläne. Jedes dieser Szenarien ist für sich durchaus möglich – und kann die Freude am Urlaub empfindlich trüben. Mit einigen Vorsichtsmaßnahmen lässt sich das Risiko unliebsamer Überraschungen jedoch deutlich verringern.

Edwin Eisendle, Experte für Zahlungsverkehr bei der Raiffeisen Landesbank, rät, Karten und Bargeld auf mehrere Personen und Aufbe- wahrungsorte zu verteilen. So lässt sich der Schaden im Falle eines Diebstahls begrenzen. Zudem sollten Reisende neben Karten immer auch etwas Bargeld dabeihaben – als Reserve, falls eine Karte nicht funktioniert oder nicht akzeptiert wird. „Es braucht keine große Summe, aber ein paar Scheine sind sicher sinnvoll“, sagt Eisendle.


Die richtige Karte im Urlaub

Bei Zahlungsmitteln empfiehlt sich eine Kombination aus Debit- und Kreditkarte. „Beide werden weltweit für bargeldlose Zahlungen (POS), Behebungen an Geldautomaten und Onlinezahlungen akzeptiert“, so Eisendle. „Die Debitkarte belastet sofort das Konto und ihre Nutzung funktioniert nur so lange, wie Geld auf dem Konto ist. Die Kreditkarte arbeitet mit einem vorher festgelegten Betragslimit. Abgebucht wird erst am 15. des Folgemonats, was bis zu 45 Tage Kredit bedeutet.

 

Für Hotelbuchungen oder Mietwagen wird oft eine Kreditkarte verlangt, da häufig Kautionen hinterlegt werden müssen. „Im Urlaub sollte man immer beide Karten dabeihaben – wegen des Limits, aber auch, weil eine Karte defekt sein oder verloren gehen kann“, sagt Eisendle. Sinnvoll ist es außerdem, wenn die beiden Karten von unterschiedlichen Anbietern wie Visa und Mastercard stammen.

 

Kartenzahlungen im Ausland können je nach Land, Karte und Zahlungsart unterschiedliche Gebühren verursachen.

Während Zahlungen in Euro innerhalb der EU kostenlos sind und Raiffeisen-Kund*innen bei den Raiffeisenkassen gebührenfrei Bargeld beheben können, fallen bei Abhebungen an fremden Geldautomaten oder außerhalb der EU oft Kosten an. Deshalb lohnt es sich, Kartenbedingungen vor der Reise zu prüfen und unnötige Abhebungen zu vermeiden.

 

Zahlen mit dem Handy

Immer beliebter werden Zahlungen über das Mobiltelefon. Debit- und Kreditkarten lassen sich in einer sogenannten „Wallet“ hinterlegen – einer digitalen Brieftasche – und anschließend kontaktlos mit dem Handy nutzen. Je nach Gerät stehen dafür Lösungen von Apple, Samsung oder Google zur Verfügung. „Das ist eine sichere Methode“, unterstreicht Eisendle. Sie schützt zudem vor sogenanntem „Shoulder Surfing“, also dem Ausspähen der PIN beim Eingeben. Viele Nutzer*innen decken die Tastatur dabei kaum ab. Ein Kartendieb kann dann Geld beheben oder Zahlungen tätigen. Beim Bezahlen mit dem Handy entfällt die PIN-Eingabe, die Freigabe erfolgt per Fingerabdruck oder Gesichtserkennung.


Wenn sich Reispläne ändern

Neben Zahlungsmitteln können auch Reisebuchungen selbst zum Risiko werden. Entscheidend ist dabei, wie die Reise gebucht wurde, weiß Barbara Klotzner vom Europäischen Verbraucherzentrum Bozen (EVZ). „Bei individuellen Flugbuchungen bucht man zu einem Fixpreis, der sich eigentlich nicht ändern darf“, erklärt Klotzner. In der Praxis komme es jedoch vor, dass Fluggesellschaften Verbindungen streichen, etwa wegen gestiegener Kosten oder weltpolitischer Ereignisse. Klotzner rät: „Bestehen Sie möglichst auf Ihr Recht auf eine kostenlose Umbuchung. Wenn Sie die Erstattung akzeptieren und den Flug neu buchen, wird es deutlich teurer.“ Ein Recht auf kostenlose Umbuchung besteht aber nur, wenn die EU-Fluggastrechte anwendbar sind, also wenn die Fluggesellschaft ihren Sitz in der EU hat oder der Flug von der EU aus startet. Bei Pauschalreisen gilt hingegen: Fällt der Flug aus, muss der Reiseveranstalter für eine Alternative sorgen, auch wenn es sich um einen Rückflug außerhalb der EU handelt. Wenn die Destination direkt von kriegerischen Handlungen betroffen ist, gibt es die Möglichkeit eines kostenlosen Rücktritts.

 

Gleichzeitig warnt Klotzner vor gefälschten Buchungsplattformen. Immer öfter locken Betrüger*innen über Websites, Social Media und WhatsApp. „Außerdem sollte man auf Bezahlung per Kreditkarte bestehen, denn Betrüger bieten in der Regel keine Kreditkartenzahlung an, weil diese rückabwickelbar sind.“ Sofortüberweisungen sollte man auf keinen Fall zustimmen, da das Geld auf gekaperten Konten landen und sofort abgeschöpft werden kann.


Geoblocking und Kartensicherheit

Reisende sollten prüfen, ob ihre Raiffeisen Debit Card für das jeweilige Reiseland freigeschaltet ist. Dieses sogenannte „Geoblocking“ wurde als Sicherheitsmaßnahme gegen frühere Betrugsfälle eingeführt. Heute wird es dank Chipkarten kaum noch benötigt. Die Sperre kann in der Raiffeisen- oder Nexi-App, im Raiffeisen Online Banking sowie in der Raiffeisenkasse aufgehoben werden. Bei Kreditkarten ist besondere Vorsicht geboten: Wird die Karte gestohlen und der Nutzerin bzw. dem Nutzer Fahrlässigkeit nachgewiesen, kann eine Rückerstattung entfallen. Eisendle rät, die Karte wie Bargeld zu behandeln, sie bei Verlust sofort zu sperren und den Vorfall umgehend zu melden. Problematisch sei auch, dass viele ihre PIN notieren oder in der Nähe der Karten aufbewahren. Außerdem sollten Kartenlimits regelmäßig überprüft werden. Empfohlen sind auch Push-Benachrichtigungen bei Zahlungen und Behebungen, um bei ungewöhnlichen Transaktionen sofort reagieren zu können.

Wie schaut es mit Reiseversicherungen aus?

Diese sind durchaus ratsam. „Allerdings nicht unbedingt jene, die bei Buchungen oft im Paket mitangeboten werden“, meint Klotzner. Diese seien nicht immer vorteilhaft. Lieber auf vertraute Anbieter zurückgreifen und die Vertragsbedingungen genau prüfen (siehe dazu Bericht auf Seite 12). Bei Online-Reiseversicherungen gilt ein Rücktrittsrecht von 14 Tagen. Auch Flüge sollten möglichst direkt bei der Fluglinie gebucht werden. Das erleichtere im Problemfall die Durchsetzung von Ansprüchen. Wer all diese Punkte berücksichtigt, reist nicht nur sicherer, sondern auch entspannter. Mit etwas Vorbereitung lassen sich viele typische Urlaubspannen vermeiden – und der Fokus bleibt dort, wo er hingehört: auf der Erholung.

 

Schöne Ferien!

REISEVORBEREITUNG – Urlaubscheckliste

Vor Reiseantritt

  • Wichtige Überweisungen erledigen/terminlich planen
  • Gültigkeit von Ausweis/Reisepass prüfen
  • Kopien wichtiger Dokumente anfertigen
  • Wertsachen sicher verwahren

Zahlungsmittel

  • Mindestens zwei Zahlungsmittel mitnehmen und getrennt aufbewahren
  • Karten auf Gültigkeit überprüfen und Limits checken
  • Raiffeisen Debit Card für Zahlungen außerhalb Europas freischalten (Raiffeisen App oder Raiffeisenkasse)
  • Sperrnummern für Karten getrennt aufbewahren
  • Fremdwährung vorab bei der Hausbank besorgen
  • Bargeldbehebungen mit Kreditkarte möglichst vermeiden (Gebühren!)

Digital & Sicherheit

  • Raiffeisen App aktivieren/aktualisieren
  • Benachrichtigungen für Zahlungen aktivieren (Push/E-Mail)
  • Handy mit PIN oder Biometrie schützen
  • Online-Banking nicht über öffentliches WLAN nutzen
  • Notfallnummern griffbereit halten
  • Auslands- und Mietwagenversicherung prüfen
  • Versicherungsleistungen der Kreditkarte kontrollieren