Ausgabe 03/16 -

„Die beste Entscheidung ist eine sichere Entscheidung!“

Als Schiedsrichter legte Markus Merk eine brillante Karriere hin. Dreimal wurde er von Experten aus über 100 Ländern aus 700.000 Schiedsrichtern zum „Weltschiedsrichter des Jahres“ gewählt. Beim Anlegersymposium des Raiffeisen InvestmentClubs weihte er die Clubmitglieder in die Kunst des „sicheren Entscheidens“ ein.

Herr Dr. Merk, als international anerkannter FIFA-Schiedsrichter haben Sie früher herausragende Fußballspiele geleitet. Freuen Sie sich auf die Fußball-Europameisterschaft?
Markus Merk: Ja, ich freue mich riesig auf ein spannendes Turnier mit tollen Spielen, bei der auch Außenseitermannschaften die große Fußballbühne betreten.

Schade finde ich, dass die EM von Terrorängsten überschattet ist und dermaßen hohe Sicherheitsvorkehrungen notwendig sind.

Bei einem Schiedsrichter geht es um das schnelle Entscheiden in einem Bruchteil von Sekunden. Wie kann man schnell und sicher entscheiden?
Markus Merk: Es gibt kein Patentrezept und ­keine Merkregeln für richtiges und akzeptiertes Entscheiden. Sicher entscheiden bedeutet, schnell zu entscheiden, das überzeugend zu ­vertreten und hinterher nicht zu „wackeln“. Es ist vor allem ein permanenter Lern- und Trainingsprozess. Viele Spiele mit vielen Entscheidungen führen dazu, dass man situations­gerechte Entscheidungsmuster abspeichert, Erfahrungen, die dann letztendlich in einem Bruchteil von Sekunden abrufbar sind.


Kann eine schnelle Entscheidung nicht manchmal eine übereilte und damit eine schlechte Entscheidung sein?
Markus Merk: Hier gilt die alte Volksweisheit: „Der erste Gedanke ist der beste!“ Sich eine zweite Wahrheit einer Wahrnehmung zu konstruieren macht sich nicht bezahlt. Sichere Entscheidungen werden im Doppelpass zwischen Ratio und Intuition getroffen.
Je geringer die Zeitressourcen in einer äußerst komplexen Entscheidungssituation, desto ­größer wird die Bedeutung der Intuition. Habe ich die Möglichkeit, werde ich mich natürlich mit meinen Assistenten beraten. Kurzum: Schnell entscheiden heißt nie übereilt entscheiden. Aber hinauszögern sollte man eine Entscheidung nie – dies mindert Akzeptanz und Sicherheit.

Wie schaut es mit Fehlentscheidungen aus?
Markus Merk: Wo Menschen zu Werke gehen, gibt es auch Fehlentscheidungen. Egal ob im Fußball oder sonst im Leben. Auch aus diesen gilt es zu lernen, wenngleich dies manchmal schmerzhaft ist. Irgendwann muss man Fehlentscheidungen auch abhaken können.

Als gefragter FIFA-Schiedsrichter leitete Markus Merk u. a. das Endspiel in der Champions League 2003
zwischen dem AC Mailand und Juventus Turin sowie das EM-Endspiel 2004 zwischen Griechenland und Portugal.

Markus Merk als Schiedsrichter

Über welche Fähigkeiten muss Ihrer Meinung nach ein guter Schiedsrichter verfügen?
Markus Merk: Schiedsrichter brauchen Mut zur Verantwortung und Entscheidungsfreude, das ist die Basis, um eine exponierte Führungsposition ausüben zu können. Das ist bei einer Führungs­kraft in einem Unternehmen nicht anders. Fachliche Kompetenz, Schnelligkeit im Denken und mentale Stärke sind wichtig.

Besteht ein Unterschied zwischen den Entscheidungen eines Schiedsrichters und jenen eines Anlegers?
Markus Merk: Die Entscheidung eines Anlegers tangiert in erster Linie sein eigenes persön­liches und wirtschaftliches Interesse. Schiedsrichter hingegen entscheiden über Sieg oder Niederlage, beeinflussen mitunter damit auch die wirtschaftliche Situation von Vereinen und lösen vor allem Emotionen bei ihren Fans aus. Jede Entscheidung birgt den Aspekt der Wahlmöglichkeit und Unsicherheit mit sich. Insofern müssen sich, sowohl Schiedsrichter als auch Anleger, sehr genau bewusst sein, was sie tun. Vor allem müssen sie von ihren Entscheidungen überzeugt und im Idealfall begeistert sein.

Menschen handeln in brenzligen Situationen oftmals hysterisch, dies gilt für Fußballspieler als auch für Anleger …
Markus Merk: Kritische Entscheidungssituationen erfordern einen kühlen Kopf. Deshalb gilt für beide: „Ruhe bewahren!“ Hysterie bringt ­einen nicht weiter. Erfahrungen und Bewusstsein, die man sich über Jahre erarbeitet hat, hingegen schon. Sie lassen einen innerlich stark werden und die richtigen Schritte setzen.

Ein Schiedsrichter braucht starke Partner an der Seitenlinie. Lässt sich dies auch auf die Finanzberatung übertragen?
Markus Merk: Ja, ich denke schon. Als Schiedsrichter arbeite ich in einem Mini-Team, als Anleger mit meinem Finanzberater auch. Ein gutes Team schafft es, kritische Entscheidungen gemeinsam zu treffen. Der moralische Grundsatz des Fairplays lässt sich auch auf das wirtschaftliche Leben übertragen. Ein gesundes Grundvertrauen ist dabei das Um und Auf, eine ständige Skepsis per se kontraproduktiv. Wenn die Vertrauensbasis nicht stimmt, dann hat man nicht den richtigen Partner gewählt und sollte diesen wechseln. Das gilt für Anleger und für Schiedsrichter und auch für andere Beziehungen (lacht).

Herr Merk, abseits der Sport- und Wirtschaftswelt engagieren Sie sich in vielen eigen­ständigen Hilfs- und Entwicklungsprojekten. Warum liegt Ihnen das so am Herzen?
Markus Merk: Ich habe in meinem Leben sehr viel Glück gehabt und möchte Menschen, denen es nicht so gut geht, weiterhelfen und etwas zurückgeben. Unsere Projekte in Indien errichten und betreuen Schulen, Waisenhäuser und andere soziale Einrichtungen. Das erfüllt mich mit großer Freude.

Zur Person

Markus Merk, geboren 1962 in Kaiserslautern, studierte Zahnmedizin und führte bis Ende 2004 seine eigene Praxis. Als einer der gefragtesten DFB- und FIFA-Schiedsrichter leitete Markus Merk von 1988 bis 2008 über 250 Bundesliga- sowie internationale Spiele. Er wurde dreimal zum „Weltschiedsrichter des Jahres“ gewählt. Seit 2005 widmet er sich Vorträgen mit dem Schwerpunkt „Sicher entscheiden“ und der Beratung von Unternehmen. Jenseits der Sport- und Wirtschaftswelt engagiert sich Merk in vielen Hilfs- und Entwicklungsprojekten, darunter Waisenhäuser und Schulen in Südindien. Für seine Leistungen im Sport und im Sozialen wurde ihm 2005, neben vielen anderen Auszeichnungen, das Bundesverdienstkreuz verliehen.

 


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