Ausgabe 04/15 -

„Zu viele Menschen kämpfen mit Langeweile im Beruf“

Der bekannte Personal Trainer und Gesundheitscoach Slatco Sterzenbach sieht sogenannte „Boreouts“ als die eigentliche Ursache für Unzufriedenheit und Motivationsprobleme am Arbeitsplatz. Im folgenden Interview geht der Bestsellerautor näher darauf ein.

Dem unerfüllten Beruf stellt er eine ­ganze eigene Lebensphilosophie entgegen: Wie man mit kleinen Veränderungen seine Gesundheit und bewusstes Arbeiten und Leben in den Vordergrund stellt, verriet er im Interview im Rahmen eines Coachings für Raiffeisen-­Mitarbeiter in Bozen.

Herr Sterzenbach, die moderne Arbeitswelt macht es „möglich“: Coachings, wie Sie sie anbieten, haben Hochkonjunktur. Was läuft schief in der Beziehung zwischen Mensch und Beruf?

Sterzenbach: Wir sprechen immer von „Burnout“ und davon, dass wir ausgebrannt sind. In meiner Welt haben viele Menschen eher ein „Boreout“; das heißt: sie sind gelangweilt von dem, was sie tun, weil sie keinen Sinn sehen. Und sie haben nicht gelernt, auf sich zu achten, bei sich zu bleiben, um sich auch mal kleine Pausen zu gönnen, um sich zu entspannen.

Nicht alle können so einfach den Job wechseln, wenn er ihnen nicht gefällt …

Sterzenbach: Man muss nicht gleich Job wechseln. Man kann auch innerhalb des Arbeits­umfelds das richtige Profil finden. Ein krasses Beispiel: Personen, die gern mit Menschen zu tun haben, würden eine Arbeit in der Buch­haltung als grausam empfinden. Und umgekehrt. Viele sollten sich deshalb manchmal die grundlegenden Fragen stellen: Wer bin ich? Was tut mir gut? Wo hab ich meine Stärken und wo hab ich „Flow“. Um dann zu sehen: Welches Berufsbild passt zu mir?


Das ist der „psychische“ Faktor. Wie viel an meinem gesamten Wohlbefinden macht die „Körperlichkeit“ aus?

Sterzenbach: Wir leben in einer Umgebung, die nicht mehr zu unserer Natur passt. In der Steinzeit, aus der immer noch viele unserer Gene stammen, sind wir dem Mammut hinterhergelaufen. Vor rund 50 Jahren war zumindest noch viel Hand- und Feldarbeit in unseren Breiten. Jetzt ist auch diese dem „Microsoft-Zeitalter“ gewichen, und innerhalb einer Generation sind wir auf eine durchschnittliche Bewegungszeit von 20 Minuten am Tag gesunken. Das ist viel zu wenig für die Bewegung, die der Körper eigentlich brauchen würde. Weil die Gene eigentlich 70 Generationen brauchen, um sich anzupassen, fragt uns der Körper immer noch: Wo ist das Mammut? Deswegen streikt der Körper im Büroalltag manchmal, und diesen Herausforderungen müssen wir uns stellen.

Wie gelingt das?

Sterzenbach: Untersuchungen zeigen, dass drei Mal in der Woche 30 Minuten Ausdauertraining und zwei Mal in der Woche 15 Minuten Krafttraining völlig ausreichend für eine gesunden Körper sind. Die Kunst liegt also darin, diesen vergleichsweise geringen Zeitaufwand von zwei Wochenstunden genügend Wertigkeit zu geben. Dann findet man locker Zeit, auf sich zu achten. Generell sollte man immer den Unterschied ­zwischen „working hard“ und „working smart“ im Kopf behalten. Soll heißen: man muss nicht viel arbeiten, um gut zu arbeiten. Wer sich punktuelle Auszeiten nimmt bzw. ­nehmen kann, um zu reflektieren, der kann sehr davon profitieren. Karrieren vieler erfolgreicher ­Menschen zeigen dies.

Slatco-Sterzenbach-Portrait

Zur Person

Slatco Sterzenbach, Jahrgang 1967, ist der „Ironman“ unter den Speakern. Nicht nur wegen seiner 17-fachen Teilnahme am Extrem-Triathlon auf Hawaii. Der Diplom-Sportwissenschaftler und Autor mehrerer Bestseller unterstützt in seinen Coachings Weltmeister, Olympiasieger und Firmenvorstände für mehr Leistung, Leidenschaft und Lebenskraft.