Ausgabe 03/19 -

Innovative Start-Ups – Wie Hannes Lösch die Gastronomie smarter macht

Eine zündende Idee kann der Beginn einer unternehmerischen Erfolgsgeschichte sein. Wenn man die Idee vernünftig umsetzt und wenn man die Firma und sich selbst gut absichert.

Am Anfang standen ein Kakao und eine ungeduldige Tochter. Hannes Lösch war mit seiner Eva in einer Bar, aber anstatt die Kleine mit einem schokoladigen Heißgetränk zu überraschen, wartete er über eine halbe Stunde, um überhaupt bestellen zu können. Dass Eva wenig Freude mit der Warterei hatte, versteht sich von selbst. Doch immerhin brachte die Gedulds­probe den Vater auf eine Idee: Wenn Paketdienste über eine Online-Bestellung in kürzester Zeit geliefert werden, muss das doch auch bei Kakao möglich sein. Und entwickelte eine „digitale ­Speisekarte“, mit der man per Handy bestellen und ­bezahlen kann.


Geniale Idee

Das Prinzip ist einfach: Der Gast setzt sich an einen Tisch, scannt mit seinem Mobiltelefon den QR-Code, den er dort findet, und kann dann auf das Menü zugreifen, ohne ein Passwort einzu­geben oder eine App herunterzuladen. Die Idee ist nicht völlig neu. Es gibt bereits digitale Kassen­systeme, Bestell-Apps oder die „Easy-Order-­­Terminals“ einer großen Fast-Food-Kette. „Aber die funktionieren alle nicht“, sagt Lösch. Mit der digitalen Bestelllösung kann man seine ­Wünsche klar mitteilen: Der Bananensplit mit Schoko- statt Vanilleeis und ohne Sahne, den Kaffee koffein­frei und mit Rohrzucker oder den Apfelsaft mit Leitungs- statt Mineralwasser. Man kann einstellen, dass nur mehr vegetarische Speisen angezeigt werden oder keine, die ­bestimmte ­Allergene enthalten. Am Ende zahlt man auch mit dem Handy, per hinterlegter Kredit­karte oder wie gewohnt beim Kellner in bar.

Hannes Lösch, Gründer von Limendo, einem Technologie- und Beratungs-Start-up mit Sitz in Bozen
Innovative Start-ups – Hannes Lösch im Interview

Umsetzung braucht Partner

Doch mit der Idee ist es nicht getan. Für die ­Umsetzung braucht es Büros und Mitarbeiter. Das kostet. Und mit den Kosten steigen die Risiken, und es braucht Partner für Finanzierung und Versicherung. Raiffeisen-Firmenkunden­betreuer, wie Hans Peter Pircher von der Raiffeisen­kasse Unterland, bieten Unternehmern in einem persönlichen Gespräch ­umfassende Informationen. Er wirbt für eine fortlaufende Zusammenarbeit. „Unser jährliches Bilanzgespräch zum Beispiel wird sehr geschätzt. Wir analysieren das Geschäfts­jahr und geben Ratschläge, die über das laufende Jahr hinausgehen.“ Denn nicht nur ein Jahr zählt, sondern die Entwicklung über ­Jahre ist ausschlaggebend. Das übersehen viele oder nehmen sich nicht genügend Zeit dafür. Und so ist die Raiffeisen-Firmenkunden­betreuung eine Unternehmens­beratung im ­Kleinen, bei der es auch um die nötige Absicherung des Unternehmens geht.


Der passende Versicherungsschutz

Raiffeisen bietet neben den Klassikern wie der Betriebsversicherung (Haftpflicht und Absicherung gegen Feuer, Diebstahl und anderem), der Unfallversicherung (im Todesfall, bei Invalidität, vorübergehender Arbeitsunfähigkeit oder bei Unfallkosten) und der Rechtsschutzversicherung auch eine sogenannte Key-Man-Police an. Sie ist eine besondere Form der Lebensversicherung, mit der Personen im Betrieb versichert werden können, die eine Schlüsselposition innehaben und deren Ausfall für das Unternehmen mit finanziellen Risiken verbunden ist. Mit der Versicherungs­summe für die Schlüssel­person („key man“) kann eine qualifizierte Ersatz­arbeitskraft finanziert werden. Auch die persönliche Absicherung des Existenzgründers ist wichtig, Raiffeisen hilft dabei, die Folgen eines Verdienstausfalles abzumildern, wenn der Chef ausfällt.

Was bleibt, ist das unternehmerische Risiko. Lösch rät dazu, so weit wie möglich die Verantwortungen abzuklären, Gesetze zu studieren, sich um den Datenschutz und die Arbeitssicherheit zu kümmern. Dazu am besten eine GmbH gründen, wegen der leidigen Haftung, und alle Verträge von Rechtsanwälten prüfen lassen. Und: „Lass dich beraten!“

NOI Techpark: Vernetzung Gleichgesinnter

Lösch ist nur einer von vielen Jungunternehmern, die mit neuen, innovativen Produkten auf den Markt drängen. Rund 45.000 aktive Unternehmen gibt es in Südtirol, an die 2.500 Unternehmen entstehen jedes Jahr neu. Seinen Sitz hat das Unternehmen im NOI Techpark.

Das Gelände in der Bozner Industriezone ist ein Brutkasten für Start-ups, Forschung und neue Technologien. Zahreiche Start-ups haben hier ihren Sitz, Eurac und Uni sitzen ebenfalls hier. Auch Lösch weiß die Vorteile zu schätzen: die Vernetzung mit Gleichgesinnten ist einfach, im Haus findet er Beratungsangebote und die ­nötigen Infrastrukturen.

Sein eigener Herr sein

Hannes Lösch arbeitete nach seinem Studium in St. Gallen unter anderem sieben Jahre lang in einem internationalen Beratungsunternehmen. Die Familie zog ihn zurück nach Südtirol, wo er erst als Berater weiterarbeitete und sich dann selbständig machte und im Dezember 2017 das Technologie- und Beratungs-Start-up Limendo gründete. Heute arbeiten in Bozen vier Angestellte für ihn. Programmiert wird die digitale Speisekarte von Zulieferern in Asien und Afrika. Seit Jänner ist das Bestellsystem auf dem Markt und hat auch schon erste Kunden gefunden. Das Thema Geld hat Lösch vorbildlich gelöst. Er hat seine Einkünfte aus dem Beratungs­geschäft investiert, dazu einen kleinen Kredit aufgenommen, und ist nicht auf Investoren angewiesen. Wer auf Investoren lieber ­verzichtet, für den ­bietet Raiffeisen die klassischen Firmen­kredite an.

Die Kraft der Vision

Gerade erst auf dem Markt, ist Südtirol schon zu klein. „Allein in Europa gibt es eineinhalb ­Millionen Bars und Restaurants, und damit eineinhalb Millionen potenzielle Kunden“, sagt Lösch. Zudem lasse sich das System auf viele weitere Dienstleistungen anwenden, wie Ärzte, Frisöre oder Physiotherapeuten. Bescheidenheit ist in dieser Branche nicht gefragt. „Man muss groß denken“, sagt Lösch. Und das geht am leichtesten, wenn man den Rücken frei hat.

FIRMENKUNDENBETREUUNG – Beratung als Schlüssel zum Erfolg

Firmenkundenberater Hans Peter Pircher verweist auf die Wichtigkeit einer fortlaufenden Betreuung und hat Tipps für Unternehmensgründer. Hans Peter Pircher ist seit 2010 Firmenkundenberater bei der Raiffeisenkasse Unterland.

Herr Pircher, was schätzen die Kunden an der ­Raiffeisen-Firmenkundenbetreuung?
Hans Peter Pircher: Sie schätzen, dass es eine einzige Bezugsperson für sämtliche Bank- und Versicherungsgeschäfte gibt, an die sie sich jederzeit wenden können.

Wie läuft eine Beratung ab?
Hans Peter Pircher: Viele kommen zu uns, bevor sie ein Unternehmen gründen oder auch nur eine größere Investition tätigen. Wir hören uns die Idee an, wenn sie vielleicht am Anfang auch unrealistisch klingt, und geben dann ein ehrliches Feedback. Wenn nötig, schalten wir unser Netzwerk aus Raiffeisenverband, Wirtschaftsberatern und der Handelskammer dazwischen und suchen den günstigsten Weg für den Kunden.

 

Was sind die häufigsten Wünsche?
Hans Peter Pircher: Bei Firmenkunden geht es meist um die ­Finanzierung, in einem zweiten Moment um die Absicherung. Das es in Südtirol aber fast nur klein- und mittelständische ­Unternehmen gibt, gehört die Versicherung der Risiken auch zu den Zuständigkeiten des Firmenkundenberaters.

Was ist die Besonderheit bei Jungunternehmern?
Hans Peter Pircher: Wir begleiten sie beispielsweise zur ­Raiffeisen-Start-up-Beratung oder zur Handelskammer und ­informieren über Pauschalbesteuerung und Gesellschaftsformen.

 

Was raten Sie Start-uppern?
Hans Peter Pircher: Ein Businessplan ist wichtig, also nicht ­einfach drauflosstarten, und es braucht genügend Eigenkapital für die erste Durststrecke.

 

Wie verändert sich die Branche?
Hans Peter Pircher: Unternehmer sind immer besser über Bilanzzahlen und Rentabilität informiert. Als die Wirtschaft noch brummte, hat sich damit niemand beschäftigt, es lief ja ohnehin, heute nehmen viele Beratung von außen in Anspruch.