Ausgabe 05/16 -

Hohe Zinsen – das war einmal

Ein Ende der Niedrigzinsphase ist nicht absehbar. Wir haben Andreas Mair am Tinkhof, Leiter der Hauptabteilung Bankwirtschaft im Raiffeisenverband, dazu befragt.

Herr Mair am Tinkhof, das Thema Niedrigzinsen ist in aller Munde.
Wie beurteilen Sie die Lage?

Andreas Mair am Tinkhof: Die Europäische Zentralbank will mit geldpolitischen Maßnahmen, insbesondere dem Null-Leitzins, die europäische Wirtschaft wieder in Schwung bringen. Ob diese Maßnahmen die erhoffte Wirkung bringen, ist zweifelhaft. Ich halte den Niedrigzins für volkswirtschaftliches Gift.


Müssen Sparer damit rechnen, dass Raiffeisenkassen ihre Habenzinsen auf null senken?
Andreas Mair am Tinkhof: Ein Kontokorrent ist grundsätzlich kein Instrument zur Geldanlage, sondern dient der Abwicklung laufender Zahlungen. Bankwirtschaftlich gesehen ist es täglich fälliges Geld, d. h. es kann jederzeit abgehoben werden und wird deshalb geringer verzinst als längerfristig gebundene Veranlagungen. Ein möglicher Nullzins auf Kontokorrenteinlagen hat für den Sparer keine größeren Auswirkungen, er kann sein Geld alternativ und zu besseren Bedingungen anlegen.

Mittlerweile macht auch das „Gespenst“ der Negativzinsen die Runde … ist das Thema bei uns aktuell?
Andreas Mair am Tinkhof: Das traditionelle Geschäftsmodell der Raiffeisenkassen ist besonders vom Zinsergebnis abhängig. Banken müssen Strafzinsen bezahlen, wenn sie ihr Geld bei der EZB einlegen. Geht die EZB mit dem Leitzins unter null, würden sich für Banken die Ertragsprobleme ­weiter vergrößern. Ganz aus­schließen kann ich einen Negativzins nicht – allerdings werden sich die Raiffeisenkassen dem wider­setzen, so lange es geht.