Ausgabe 05/16 -

Familiengründung – Schützen, was einem lieb ist

Eine Familie zu gründen ist ein bedeutender Schritt. Ein Kind bereichert das eigene Leben und verändert es grundlegend, auch finanziell. Themen wie Zukunftsvorsorge und Absicherung rücken in den Vordergrund. Was gilt es hier zu bedenken?

Michele und Verena sind ein ­modernes Paar. Jung, beide berufstätig, (noch) nicht verheiratet. Seit zwei Jahren bereichert Sohn Paul das Leben. Und verteuert es auch. Einst hatte jeder sein eigenes Konto und ­bezahlte seine Ausgaben, ob nötig oder „Luxus“, selbst. Seit Paul da ist, haben sie ein gemeinsames ­Konto, auf das beide Gehälter fließen und das gemeinsam verwaltet wird. Besprochen wird jede Ausgabe. „Das ist zwar oft mühsam, aber richtig. Und es gab nie Streit wegen eines Kaufs oder so“, sagt Verena. Michele pflichtet ihr bei: „Man passt schon mehr auf, was und wo man kauft, auch in Hinblick, dass die Familie ­vielleicht einmal größer wird.“

Alles verändert sich

Michele, geboren in Rom, seit der Grundschulzeit in Salurn, lebt jetzt bei Verena in St. Michael. Er ist Programmierer beim Raiffeisenverband mit unbefristetem Vertrag. Verena arbeitet seit zehn Jahren als Sozialpädagogin, immer mit Jahresverträgen. Als Paul zur Welt kam, nahm sie sich ein Jahr Auszeit. Denn plötzlich war alles anders: „Ein Kind ist ein Fulltime-Job – Über­stunden nicht ausgeschlossen“, lacht Verena. Jetzt arbeitet sie wieder in ihrem alten Job, in Teilzeit, immer mit Jahresvertrag.

Michele Cocca: „Eine Familie gründen erfordert eine gemeinsame Finanzplanung.“

Michele, Verena & Paul

Absicherung der Familie

Erwachsene müssen erst in ihr Elternsein und ihre neue Verantwortung hineinwachsen, um sich dann auch mit der neuen finanziellen Situation und der Vorsorge- und Versicherungs­thematik auseinanderzusetzen – davon ist ­Markus Pretto vom Raiffeisen Versicherungsdienst überzeugt. „Ebenso wichtig wie die Bildung einer Geldreserve ist die Absicherung gegen existenzielle Risiken wie Krankheit, Invalidität oder gar Tod“, meint der Versicherungs­experte. Damit die Kinder bis zu ihrer finanziellen Unabhängig­keit versorgt sind (Mädchen in Italien sind das im Schnitt mit 31, Buben erst mit 34 Jahren), braucht es eine Versicherung gegen Invalidität durch Unfall oder Krankheit eines Eltern­teils oder gar bei Todesfällen in der ­Familie.

Vom Staat ist nur noch die Grund­versorgung zu ­erwarten, nicht umsonst würden 93 % der Pflegefälle zuhause versorgt. Verena und Michele sind sich dieser Risiken bewusst und haben vorgesorgt: sie haben eine Krankenzusatzversicherung, eine Unfall-, Rechtsschutz- und eine Familienhaftpflichtver­sicherung abgeschlossen. Nicht alle junge Eltern denken so verantwortungsbewusst. Davon weiß Sonja Lamprecht, Privatkundenberaterin der ­Raiff­eisenkasse Eisacktal, ein Lied zu singen. „Viele junge Eltern denken einfach nicht ­daran, dass das (Familien-)Leben viele Risiken bereithält, die auch tragend werden können“, mahnt sie. Sich nicht abzusichern, sei fahrlässig, auch wenn sie versteht, dass gerade bei jungen ­Familien die Geldmittel oft knapp bemessen sind.


Individuelle Beratung gefragt

„Wichtig ist eine individuelle Beratung – man muss in jedem Fall den Vorsorge- und Versicherungsbedarf ermitteln, damit keine Vorsorge­lücke im Ernstfall entsteht“ (siehe Grafik), da sind sich Versicherungsexperte Pretto und Privatkundenberaterin Lamprecht einig. „Und – die typische Familie gibt es nicht mehr“, ergänzt Pretto. „Nur mehr ein Drittel der Haushalte sind sogenannte traditionelle Familien, also Familien mit Kindern und beiden Elternteilen. Der Anteil der Alleinerziehenden und der Patchwork­familien ist stetig im Steigen.“ Da müsse man schon genauer hinsehen, weil zum Beispiel bei nicht verheirateten Paaren die gesetzliche Absicherung durch die Hinterbliebenenrente nicht greift.

Vorsorgegedanke

Verena Schrentewein legt auf die Vorsorge für das Rentenalter Wert. Sie zahlt in einen Zusatzrentenfonds ein, auch Michele Cocca ist über seinen Arbeitgeber zusätzlich rentenversichert. Verena weiß: Frauen, die oft in Teilzeitarbeit arbeiten und eine sogenannte „unterbrochene Erwerbsbiografie“ aufweisen, erhalten in der Regel ein niedrigeres Gehalt, zahlen weniger für die eigene Rente ein und erhalten später auch nur eine geringe Pension. In Verenas Umkreis gibt es einige Mütter, die vor dem ersten Geburtstag des Kindes kündigten und sich seitdem nur um die Familie kümmern.
„Auch wenn sich in den ersten Monaten alles um Paul gedreht hat und wir rund um die Uhr damit beschäftigt waren, seine Bedürfnisse zu verstehen und zu befriedigen, machen wir uns jetzt schon Gedanken um seine Zukunft“, sagt Michele. Ein Sparbuch für Paul gibt es bereits, die Eltern möchten aber zusätzlich ­monatlich mit einem kleinen Betrag ein finanzielles Fundament für spätere Ausgaben wie Studium, Auto o. Ä. ansparen. Genauer darüber informiert, welche Ansparmöglichkeit für sie die beste ist, haben sie sich noch nicht, dies stehe aber auf der To-Do-Liste.

Gemeinsame Finanzplanung

Die romantische Idealvorstellung vom Eltern­werden entspricht nicht immer dem, womit Mütter und Väter in der Realität konfrontiert werden. „So groß der Einschnitt durch die Geburt eines Kindes auch ist – wir sind dankbar für ­unser Familienglück und möchten das Leben auch weiter genießen“, sagen Verena und Michele: „Wir gehen weiter auf Konzerte, fahren in den Urlaub, haben unsere Interessen und Hobbys.“ Damit dies weiterhin gelingt, ist auch bei ihnen Finanzmanagement angesagt, indem sie ihre Einnahmen und Ausgaben genau planen und Sparmöglichkeiten ausloten. Und bald steht die Hochzeit an, auf die sich beide schon sehr ­freuen.

Beispiel Vorsorgelücke

Thomas G. (40 Jahre) ist Alleinverdiener und seit 20 Jahren berufstätig. Sein Netto­gehalt (bei Ehefrau und Kind steuerlich zu Lasten) beträgt 2.109 Euro monatlich; dies entspricht einem Buttogehalt von 35.000 Euro jährlich. Thomas G. stirbt in Folge eines Autounfalls. Seine Frau und sein Kind erhalten zusammen 655 Euro Hinterbliebenenrente* monatlich vom INPS. Aufgrund der fehlenden privaten Absicherung ergibt sich eine Vorsorge­lücke in Höhe von 1.454 Euro.

Beispiel Vorsorgelücke

* Mindestvoraussetzung für eine staatliche Hinter­bliebenenrente sind fünf Versicherungsjahre. Für Berufsanfänger besteht grundsätzlich kein Schutz.

 

Grafik-Umsetzung: Egger und Lerch GmbH  

 


Jede Mutter möchte für ihr Kind das Beste, so auch Verena.
Die richtige Absicherung und Vorsorge für Söhnchen Paul liegen ihr am Herzen.
Verena Schrentewein mit Sohn Paul

Interview mit Privatkundenberaterin Sonja Lamprecht
ABSICHERUNG FAMILIE – „Das Risiko ernst nehmen“

Privatkundenberaterin Sonja Lamprecht sagt, worauf junge ­Familien mit Kindern achten sollen, und warum auch bei einem niedrigen Einkommen Vorsorge wichtig ist.

Frau Lamprecht, worauf muss eine junge Familie bei der Absicherung achten?
Sonja Lamprecht: Priorität bei einer jungen Familie hat sicher die Absicherung gegen existenzielle Risiken. Was geschieht, wenn ein Partner stirbt oder vielleicht wegen eines Unfalls Invalide wird? Dieses Risiko sollte man unbedingt abfedern, besonders dann, wenn man ein Darlehen zurückzahlen muss. Aber auch eine Familienhaftpflicht-, Hausrats- und Rechtsschutzversicherung sind empfehlenswert.

 

Wie kann ich für die Unabhängigkeit des Kindes vorsorgen?
Sonja Lamprecht: In erster Linie sollten die Risiken der Eltern abgefedert werden, in einem zweiten Moment kann man an den Vermögens­aufbau für das Kind denken, etwa für das Studium. Die Möglichkeiten sind vielfältig. Zum Beispiel kann man über den Raiffeisen Pensionsfonds für die Kinder früh- und langzeitig Geld ansparen und gleichzeitig steuerliche Vorteile nutzen.

 

Was ist ein typischer Fehler, den junge Eltern machen?
Sonja Lamprecht: Sie nehmen die Risiken nicht ernst, die das Leben mit sich bringt. Ich bin gesund und jung, ich brauche das nicht – so denken viele. Aber so eine Einstellung ist fahrlässig.

 

Viele junge Familien haben Geldsorgen.
Was, wenn das Geld für die Absicherung einfach nicht reicht?

Sonja Lamprecht: Bei Eltern mit Durchschnittseinkommen und zwei, drei kleinen Kindern ist eine angemessene Absicherung sicher schwerer finanzierbar. Aber gerade hier ist es wichtig, die Finanz- und Vorsorgesituation genau zu prüfen. Im Vergleich dazu, was ein Unglücksfall kostet, sind Investitionen in die Vorsorge relativ günstig. Eine gute Beratung ist allemal empfehlenswert.