Ausgabe 02/15 -

„Eine genaue Kostenkalkulation ist sehr wichtig.“

Die eigenen vier Wände lohnen sich – vorausgesetzt, man macht bei der Finanzierung keine schwerwiegenden Fehler. Sonst kann die Traumwohnung schnell um einiges teurer werden, sagt Anita Waldner. Im Interview verweist sie auf die häufigsten Finanzierungsfallen, in die kein Darlehensnehmer tappen sollte.

Frau Waldner, Sie sprechen von klassischen Fehlern, die am häufigsten gemacht werden. Welche sind das?
Anita Waldner: Da ist einmal das Eigenkapital. Prinzipiell sollte mindestens ein Viertel der Gesamtkosten aus Eigenmitteln bestritten werden. Jeder zusätzliche Euro, den man sich leihen muss, verteuert die Finanzierung. Zweitens wird oftmals der Darlehensbedarf falsch berechnet. Unterschätzt man den Bedarf, wird eine teure Nachfinanzierung nötig. Setzt man ihn zu hoch an, so wirkt sich dies negativ auf die anfallenden Nebenkosten aus wie Ersatzsteuer, Notarspesen und Bearbeitungsgebühren. Eine genaue Kalkulation ist deshalb sehr wichtig. Drittens: viele Kunden verwechseln den Nominalzins mit dem Effektivzins. Nur der Effektivzins ist wirklich aussagekräftig. Er beinhaltet sämtliche zusätzliche Kosten, welche bei Abschluss der Finanzierung dazukommen.

Kann man sich durch eigene Arbeitsleistung, etwa beim Hausbauen oder Sanieren, nicht auch einiges einsparen?

Anita Waldner: Die Eigenleistung wird oft überschätzt. Viele glauben, dass man selbst oder zusammen mit Freunden vieles ohne Handwerker machen kann. Doch die Fähigkeiten oder die verfügbare Zeit werden dabei nicht selten überschätzt. Und so wird dies am Ende nicht billiger, sondern teurer.

 

Welche Kostenfallen sind noch zu berücksichtigen?
Anita Waldner: Das Alltagsleben geht auch nach dem Wohnungskauf weiter. Unvorhergesehene Ausgaben müssen problemlos bezahlbar bleiben. Man sollte deshalb nicht den letzten Cent des eigenen Einkommens verplanen und sich aber sicherheitshalber eine Reserve in Höhe von drei bis sechs Monatsgehältern bilden. Vor allem die Nebenkosten wie Notar, eventuelle Maklergebühr, Registergebühr, Ersatzsteuer usw. dürfen nicht außer Acht gelassen werden. So können sich die Gesamtnebenkosten auf bis zu 15 % des Kaufpreises summieren.

 

Was sollte man bei der Ratentilgung beachten?

Anita Waldner: Hier gilt zusätzlich, dass je geringer die Tilgung, desto länger dauert es, bis die Immobilie schuldenfrei ist. Das sollte spätestens bei Renteneintritt der Fall sein. Und je länger die Laufzeit, desto höher sind die Gesamtkosten des Wohnbaudarlehens.
Noch ein Tipp: Wohnungs- oder Hauseigentümer müssen rechtzeitig Rücklagen für ­Renovierungen bilden. Auch diese Kosten sollte man nicht außer Acht lassen.

Mehr dazu unter: www.raiffeisen.it/wohnen