Ausgabe 03/15 -

Ein Ziel vor Augen!

Glück ist so facettenreich wie schwer zu fassen. Was macht glücklich? Familie, Freunde, Gesundheit? Macht gar Geld glücklich? Ein junger Mann aus Jenesien zeigt, wie ungewöhnlich Glücksempfinden sein kann.

Seit Urzeiten zerbrechen sich Philosophen den Kopf, was denn Glück ist. Was macht glücklich, wie kann man Glück messen? Gibt es objektive Parameter des „Glücklichseins“, oder geht es stets um subjektives Wohlbefinden? Glück kann sich, das zeigt das Beispiel von Ivan Tratter, auch auf sehr ungewöhnliche Weise zeigen. Seit einem Rodelunfall vor vier Jahren ist er auf den Rollstuhl angewiesen, fühlt sich selbst aber ­glücklich. Er besitzt ein behindertengerechtes Auto, kann auf die Unterstützung seiner ­Freunde, seines Arbeitgebers und seines Tennisclubs zählen, hat eine interessante Arbeit und hat die Oberschule, die er zuvor abgebrochen hatte, beendet. Und ist jetzt, anstatt Maurer, Tennisprofi: Er kämpft um die Teilnahme an den Paralympics 2016 in Rio de Janeiro. Und ist glücklich.

Südtiroler sind ein glückliches Volk

Und ist damit nicht alleine. Die Südtiroler sind ein glückliches Volk, das legen zumindest die Zahlen des Landesstatistikinstituts Astat nahe. In einer 2013 durchgeführten Umfrage gaben zwei Drittel der Befragten an, mit ihrem Leben zufrieden oder sehr zufrieden zu sein. Interessant ist, dass je geringer die finanziellen Ressourcen der Familie sind, desto geringer ist auch die Zufriedenheit (siehe Grafik). Die ­wirtschaftliche Variable steht demnach in direktem Zusammenhang mit dem persönlichen Wohlgefühl, folgert das Astat. Eine Befragung des Linzer market-Instituts kam zu einem ähnlichen Schluss: Zwar hält nur ­weniger als ein Drittel der Befragten ein hohes Gehalt für wichtig, um glücklich zu sein. Anderer­seits mindern Geldsorgen bei Menschen mit ­niedrigem Haushaltseinkommen und Selbstständigen die Glücksgefühle. Geld allein macht also nicht glücklich, aber kein Geld auch nicht. Um es mit den Worten Wilhelm Buschs zu sagen: „Ach, reines Glück gedeiht doch nie, wer zahlen soll und weiß nicht, wie.“


Lebensqualität Südtirol

 

Quelle: OECD Regional Well Being 2015

Weitere Informationen: www.oecdregionalwellbeing.org/region.html#ITH1

 


Existenzielle Bereiche absichern

Wenn Geld allein nicht glücklich macht, ­können auch die Raiffeisenkassen nicht glücklich ­machen. Sie können aber helfen, dass Geld­sorgen nicht unglücklich machen. Dafür bietet Raiffeisen eine Reihe von Vorsorgemöglichkeiten an. Vor allem in vier Bereichen sollte jeder Vorsorge treffen: Schutz der eigenen Existenz, Schutz der Hinter­bliebenen, Schutz der Gesundheit, Schutz des Eigentums. Ist der Lebensstandard abge­sichert, steigt auch die allgemeine Zufriedenheit, da man sich gut aufgehoben fühlt. „Man kann seine Ziele verfolgen und aktiv am gesellschaftlichen Leben teilhaben. Man kann Pläne für die Kinder und für die Zukunft schmieden. Und was braucht es mehr, um glücklich zu sein?“, sagt Thomas Gruber vom Raiffeisen Versicherungsdienst. „Denn selbstbestimmte Entscheidungen zu treffen und engagiert an der eigenen Lebens­planung zu arbeiten, trage dazu bei, unbeschwert Glücksmomente empfinden zu können und zufrieden auf das Erreichte zurückzublicken.“ Private Vorsorge fängt bei einer verantwortungsbewussten Planung der Einnahmen und Aus­gaben sowie bei Maßnahmen zur Entschuldung an, betrifft die persönliche Absicherung vor Invalidität, thematisiert die Absicherung der Familie sowie die Absicherung des eigenen Heims, plant den Aufbau einer privaten Zusatz­rente und macht auch vor der privaten Pflegeversicherung nicht halt. Ebenfalls beschäftigt sie sich mit Kapitalaufbau und mit der soliden Veranlagung des Ersparten.

Raiffeisenkassen begleiten „lebenslang“

Die Raiffeisenkassen bemühen sich um eine ­lebenslange persönliche und ­situationsbedingte Begleitung ihrer Mitglieder und Kunden. Die kann bei der Geburt mit dem ersten eigenen Sparbuch beginnen und reicht beispiels­weise bis zum Berufs­einstieg oder dem Studium bei ­Jugendlichen. Es folgen womöglich ein Wohnungskauf, die ­Familienplanung und schließlich die Absicherung fürs Alter. Indes kämpft Ivan Tratter gemeinsam mit seinem Trainer ­Alessandro Daltrozzo weiter um seine Olympiateilnahme. Auch ein ­Scheitern wäre kein ­Problem, Tratter sei ohnehin erst bei den Paralympics 2020 in Tokio im besten Tennis­alter, sagt sein Trainer. Aber Scheitern ist ein Wort, das in Ivan Tratters Wortschatz nicht ­vorkommt. Glück hingegen schon.

Foto: Ivan Tratter beim Training im Tennisclub Marling:
Die Paralympics in Rio 2016 als großes Ziel.
Ivan-Tratter-2

Tennisprofi Ivan Tratter „Sonst wär’ ich heute Maurer“

Ivan Tratter, 23, sitzt seit einem Rodelunfall vor vier Jahren im Rollstuhl. Wobei „sitzen“ Tratters Zustand überhaupt nicht beschreibt. Er spielt Tennis und kämpft um die Qualifikation zu den Paralympics in Rio de Janeiro im nächsten Jahr. Ein Gespräch über Glück, das man nicht auf den ersten Blick sieht. Und über Geld.

Ivan, du hattest beim Mondschein­rodeln einen schlimmen Unfall, der deine Beine lähmt. Wie hast du den Unfall damals erlebt?
 Ivan Tratter: Am Anfang war ich so schlecht beisammen, dass ich gar nichts gemerkt habe. Ich lag mit einem Schädel-Hirn-Trauma zwei Wochen im Koma. Nach zwei Monaten habe ich mitbekommen, dass ich die Beine nicht spüre. Das Rückenmark war gequetscht, ich werde nie mehr gehen können.

 

Da war es mit dem Glück erst mal aus?
Ivan Tratter: Da war es mit dem Glück vorbei! (lacht)

 

Wie hast du diese schlimme Nachricht ertragen?
Ivan Tratter: Die ersten drei Monate lag ich im Bett und konnte mich nicht bewegen. Aber dann ist es jeden Tag ein bisschen besser ge­worden, und dann kamen die kleinen Erfolge. Als ich zum Beispiel das erste Mal aufrecht sitzen konnte. Das hat mich angespornt, da fasste ich sofort das Ziel, selbstständig zu werden.

Wann hast du mit dem Rollstuhltennis begonnen?
Ivan Tratter: Ein halbes Jahr nach dem Unfall. Ich kam von der Reha heim, und vier Tage später habe ich das erste Mal Tennis gespielt.

Wann hast du gemerkt, dass du Talent hast?
Ivan Tratter: Das haben mir die anderen gesagt. Sie haben nicht geglaubt, dass ich beim ersten Mal schon so gut bin.

Wie stehen deine Chancen auf Olympia?
Ivan Tratter: Ich muss es bis Mai 2016 unter die besten 34 Spieler der Welt schaffen. Das wird sehr schwierig, aber ich werde alles tun, um es zu schaffen.

Was empfindest du heute als Glück?
Ivan Tratter: Wenn ich gesund bin.

Empfindest du dich als gesund?
Ivan Tratter: Ja.

Wie ist es, im Rollstuhl zu sitzen?
Ivan Tratter: Es ist schon ein Handicap, aber ich ­empfinde es nicht so. Der Rollstuhl hilft mir, dass ich weiterkomme. Der Rollstuhl ist etwas Gutes.

Bist du glücklich?
Ivan Tratter: Ja.

Was braucht es, um glücklich zu sein?
Ivan Tratter: Man muss zufrieden sein mit dem, was man tut. Die kleinen Dinge schätzen.

Macht Geld glücklich?
Ivan Tratter: In gewisser Weise schon. Wenn man sich mehr leisten kann. Aber Geld allein macht bestimmt nicht glücklich.

Ivan Tratter trainiert vier bis fünf Mal pro Woche und muss zu Turnieren reisen, um genügend Weltranglistenpunkte zu sammeln. Das kostet ihn rund 30.000 Euro pro Jahr. Im vergangenen Jahr konnte er über die Hälfte der Spesen mit Spenden decken, außerdem hat er Sponsoren und einen Arbeitgeber, der ihm viele Freiheiten lässt.

Wie gehen deine Freunde mit deiner Situation um?
Ivan Tratter: Sie unterstützen mich extrem. Als ich in Österreich meine Reha gemacht habe, haben mich immer ein paar mit dem Auto abgeholt, damit ich das Wochen­ende daheim sein konnte. Sie haben nach meinem Unfall ein Fußballturnier organisiert, mit den Einnahmen konnte ich mir ein behindertengerechtes Auto kaufen. Wir mussten ja auch daheim umbauen, das ist alles sehr teuer.

Wieso ist so ein Unfall gerade dir passiert?
Ivan Tratter: Es war wohl vorherbestimmt. Ich weiß nicht, wo ich heute wäre, hätte ich den Unfall nicht gehabt.

Du haderst nicht?
Ivan Tratter: Nein. Wenn es meinen ­Bruder erwischt hätte, wäre das für mich zehn Mal schlimmer. Da bin ich froh, dass es mir passiert ist. Ich hatte gleich nach dem Unfall das Gefühl, dass ich damit zurecht komme. Ich weiß nicht woher, aber ich wusste, das pack ich.

Also Glück im Unglück?
Ivan Tratter: Ohne den Unfall wäre ich heute Maurer. Jetzt bin ich Tennisprofi.

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