Ausgabe 01/16 -

Berufsunfähigkeit – das unterschätzte Risiko: „Mich trifft es schon nicht!“

Unser wertvollstes Gut und wichtigstes Kapital ist unsere eigene Arbeitskraft. Denn die eigene Arbeitskraft sichert unser Einkommen und gewährleistet somit unseren Lebensstandard. Dabei sollte das Risiko einer Berufsunfähigkeit bzw. Erwerbsminderung nicht unterschätzt werden. Jeden kann es treffen!

Die Wahrscheinlichkeit, lange zu leben, vielleicht sogar deutlich länger als der statistische Durchschnitt, steigt nachweislich. So bescheinigt das Landesinstitut für Statistik, Astat, den Südtirolern eine der höchsten Lebenserwartungen europaweit. Dabei spielt die Gesundheit eine tragende Rolle. Sie ermöglicht es, unser Leben aktiv zu gestalten, und beeinflusst unser individuelles Wohlbefinden. Darüber hinaus sichert sie in der Phase der Erwerbstätigkeit – die heute deutlich später als früher beginnt und auch länger andauert – unseren Lebensunterhalt.

 


Berufsunfähigkeit kann jeden treffen

„Ich bin nicht körperlich tätig, da kann mir doch kaum was passieren“, meinen viele. Was viele aber nicht wissen: es sind nicht unbedingt Unfälle, die Erwerbstätige aus der Bahn werfen. So gehören beispielsweise Krankheiten des Bewegungsapparates zu den traurigen Spitzenreitern bei den Ursachen für Erwerbsunfähigkeit. Es kann ganz schnell passieren, dass unser wichtigstes Kapital verloren geht, wie das Beispiel von Johann M. zeigt.

Zu Beginn war es nur ein gelegentlicher Schmerz im unteren Rücken, den der Schulwart bei der Verrichtung gewisser Hebearbeiten bemerkte. Als dann ein Kribbeln in den Beinen sowie starke Schmerzen in der Nacht hinzu­kamen, verein­barte er einen Arzttermin. Die Diagnose doppelter Bandscheiben­vorfall führte für den 38-jährigen Familienvater zu ­einem einjährigen Arbeitsausfall mit erheblichen Einkommenseinbußen. Ein solches Schicksal ist kein Einzelfall. Laut einer aktuellen europaweiten Umfrage zur Erwerbsunfähigkeit scheiden bis zu 25 % der europäischen Arbeitnehmer frühzeitig aus dem Berufsleben aus.

Schutz vor existenzbedrohenden Risiken

Umso verwunderlicher ist es, dass sich nur die Wenigsten Gedanken über das Risiko einer Erwerbsminderung machen. „Kaum ein Risiko wird so oft unterschätzt wie der Verlust der Arbeitskraft“, erklärt Thomas Gruber im Raiffeisen Versicherungsdienst. Der Einkommensverlust, der zeitweise oder dauerhaft entsteht, kann schnell zu einer finanziellen Schieflage führen und oft sogar eine existenzielle Bedrohung bedeuten. Denn die staatliche Unterstützung bietet lediglich eine Grundversorgung, die für eine verlässliche Existenzsicherung oft nicht ausreicht. „Aus diesem Grund ist die private Absicherung gegen Invalidität eine der wichtigsten Versicherungen überhaupt“, meint der Vorsorgeexperte, und weiter: „Jeder, der von seiner Arbeit lebt, sollte sich gut beraten lassen und eine entsprechende Vorsorge treffen.“

Ursachen für die
Berufs­unfähigkeit

29 %
psychische Erkrankungen oder Nervenkrankheiten

 

21 %
Erkrankungen des Skelett- und
Bewegungs­apparates

 

16 %
Krebs und bösartige Tumore

 

10 %
Unfälle

 

9 %
Erkrankungen
des Herzens und der Gefäßsysteme

 

Quelle: Morgen & Morgen GmbH, April 2015


Mit Sicherheit gut vorgesorgt – Gesellschaft im Wandel

Die Lebenserwartung in Südtirol

Südtiroler weisen eine der höchsten Lebenserwartungen europaweit auf.

Sie beträgt bei der Geburt im Jahr 2013 80,8 Jahre für die Männer und 85,6 Jahre für die Frauen.

 

Quelle: Landesinstitut für Statistik (Astat)

Gesunde Lebensjahre*

Eine gute gesundheitliche Verfassung ist ausschlaggebend für ein lebenswertes Altern. Ein im Jahr 2013 geborener Bub kann mit 61,8 Jahren in guter Gesundheit rechnen, bei den Mädchen beträgt der Wert 60,9 Jahre. Frauen leiden häufiger und früher als Männer an Erkrankungen, die zwar nicht tödlich verlaufen, aber zu erheblichen Einschränkungen führen, wie Arthritis, Arthrose, Osteoporose.

 

Quelle: Landesinstitut für Statistik (Astat)

 * Es handelt sich dabei um eine Messgröße für die Gesundheitserwartung,
welche Informationen zu Sterblichkeit und Krankheit miteinander verknüpft.

Gesundheitstipp – Meditieren gegen den Infarkt!

In Zusammenarbeit mit www.herzstiftung.org

Neue klinische Studien belegen: Meditation senkt die Gefahr, einen Herzinfarkt und Schlaganfall zu be­kommen, um fast 50 % bei Patienten, die an koronarer Herzerkrankung leiden. Entspannung und mentale Techniken sind bei der Behandlung von Herz-Kreislauf-Problemen demnach genauso wirksam wie leistungsstarke Medikamente.

 

An der Studie zur Wirkung von Meditation als vorbeugende Maßnahme gegen Herzinfarkt arbeitete ein Team vom Medical College of Wisconsin in ­Milwaukee. 200 Patienten mit schon verengten Herzkranzgefäßen – ein Risikofaktor für Herz­infarkt und Schlaganfall – nahmen daran teil. Die Probanden wurden per Zufallsauswahl auf zwei Gruppen aufgeteilt. Beide Gruppen erhielten eine Standardbehandlung von verschreibungspflichtigen Medikamenten gegen Bluthochdruck und Arteriosklerose. Eine der Gruppen führte zusätzlich 15 bis 20 Minuten pro Tag eine einfache Meditation unter Anleitung eines fachkundigen Trainers durch. Die Kontrollen über einen Zeitraum von 5 Jahren ergaben, dass jene Personen, die im Beobachtungszeitraum eine Meditation praktizierten, um 47 % weniger Herz­infarkte, Schlaganfälle und Todesfälle aufwiesen als die Kontrollgruppe, die nur nach der Standard­methode behandelt wurde.

 

Die Gründe dafür sind nicht vollkommen klar, aber die Forscher stellten fest, dass die Meditation u. a. den Blutdruck senkte. Der Bluthochdruck gilt als einer der größten Risikofaktoren für Herzinfarkt. ­Frühere Studien haben außerdem schon gezeigt, dass ­Meditation die Stress-Hormon-Produktion reduziert und die Aktivität des ­sympathischen Nervensystems dämpft.

 

Quelle: Jahrestagung der American Heart Association in Orlando, Florida, 2009