Ausgabe 04/19 -

Senioren am Bauernhof – Gut betreut und liebevoll umsorgt

Seit einigen Jahren können Senioren auf Südtiroler Bauernhöfen betreut und gepflegt werden. Eine Entlastung für die angespannte Pflegesituation und ein Zusatzeinkommen für Bäuerinnen.

„Wenn sie die Tiere sehen, egal ob es ein Hase ist, eine Katze oder eine Kuh, ist alles gut“, sagt Maria Egger. Sie meint damit die ­Senioren, die sich erst sträuben, zur Pflege an einem fremden Ort untergebracht zu werden, sich dann aber mit der neuen Umgebung meist rasch ­anfreunden.

Maria Egger ist Vizepräsidentin der Sozial­genossenschaft „Mit Bäuerinnen lernen – wachsen – leben“, die unter anderem Seniorenbetreuung auf Bauernhöfen anbietet. Die Senioren wollen, wenn sich die Zeit des selbstständigen Lebens zu Ende neigt, meist lieber in den eigenen vier Wänden betreut werden, als in ein neues Umfeld zu kommen. Doch oft geht das nicht, und für diese Fälle bieten die Bäuerinnen eine ergänzende Alternative zum Senioren- oder Pflegeheim an. Eine nötige, wenn man sich die Zahlen anschaut: 74 Seniorenwohnheime mit insgesamt 4.210 Betten gibt es in Südtirol, doch fehlen alleine in Bozen derzeit 600 Pflegebetten für Senioren. Auch am Personal mangelt es: Pfleger und Betreuer für Altenheime werden händeringend gesucht.

Bedarf steigt

Seit 2007 sind die ersten Tagesmütter aktiv, ab 2010 wurde die Seniorenbetreuung aufgebaut, die seit 2015 operativ ist. Seitdem gehen die Zahlen rasant aufwärts. 41 Mitglieder sind im Bereich der Seniorenbetreuung engagiert und leisteten in Jahr 2018 über 10.000 Betreuungsstunden. 2015 waren es noch rund 2.800 gewesen.

Möglich sind die tageweise Betreuung, die ­Betreuung übers Wochenende oder auch über mehrere Wochen. Manche verbringen die Sommer­frische am Hof, wie in alten Zeiten, andere erholen sich einige Wochen von einer Krankheit oder einer Operation und kehren dann wieder ins selbstständige Leben daheim zurück. Es ist keine endgültige Lösung, wie ein Alters- oder Pflegeheim, sondern vor allem eine Auszeit, auch für die pflegenden Angehörigen. Für Frauen im ländlichen Raum bedeutet die Seniorenbetreuung ein willkommenes Zusatzeinkommen und die Möglichkeit, die bäuerliche Existenz zusätzlich zu sichern.

FamilienAnschluss mit Rundum-Service

Den betreuten Senioren tut der Aufenthalt am Hof offensichtlich gut. „Eine Seniorin, stark ­dement, die lange Zeit von einer unserer Gastgeberinnen betreut wurde, konnte sich nie an ­deren Namen oder die Namen ihrer Familien­angehörigen erinnern“, erzählt Monika Maschik, die Koordinatorin der Seniorenbetreuung. „Aber den Namen des Hofhunds, den wusste sie immer!“ Bis zu drei Personen werden aufgenommen, wenn sie denn zusammenpassen: können sie gemeinsam etwas unternehmen oder sitzen sie im Rollstuhl? Was wollen oder können sie essen, sind sie Frühaufsteher oder Lang­schläfer und so weiter. Die Zimmer und Bäder sind barriere­frei und die Bäuerin stets erreichbar. Angestellte gibt es in der Regel keine, nur Familien­angehörige arbeiten mit.

Der Bauernhof wird für die Senioren eine Zeit lang zum Lebensort, wo sie liebevoll umsorgt werden.
Senioren am Bauernhof beim Marende-Essen

Gute Idee, langer Atem

Der Start der Sozialen Landwirtschaft war kein leichter. Oppositionspolitiker witterten eine ­Bevorzugung der Landwirtschaft zu Ungunsten der Pflegebedürftigen, der Landesverband der Sozialberufe warnte, man dürfe die Bedürfnisse der betroffenen Menschen nicht hinter wirtschaftliche und politische Interessen zurückstellen. Kritisiert worden war vor allem eine angeblich zu geringe Ausbildung der Pflegenden. Die Ausbildung läuft in Zusammenarbeit mit den Fachschulen für Land-, Hauswirtschaft und ­Ernährung und dem Amt für Senioren und ­dauert 170 Stunden. Seitdem habe sich die Aufregung aber wieder gelegt, sagt Geschäfts­führerin Karin Schölzhorn: „Unseren Dienst gibt es seit 2015, wir haben seitdem nie Beanstandungen bekommen.“


Absicherung der Landwirte und Bäuerinnen

Seit 2017 werden für die Tagesmütter die Sozial­beiträge laut Kollektivvertrag der Sozialgenossenschaften eingezahlt, eine große Verbesserung auch im Hinblick auf die Rente. Die Betriebe und Mitarbeiter sind haftpflicht- und rechtschutz­versichert, der Raiffeisenverband Südtirol berät in allen Fragen zu Recht und Steuer.

Bei allem sozialen Engagement der Landwirte dürfen diese nicht vergessen, an ihre eigene Absicherung zu denken, und an die ihrer Familie. Beim Raiffeisen Versicherungsdienst (RVD) rät man den betroffenen Landwirten zu einer privaten Einkommensabsicherung, da die gesetzliche Absicherung für Landwirte in den Bereichen Freizeit- und Berufsrisiko sehr gering ist. „Diese Leistungen können im Normalfall den Bedarf bei Pflegebedürftigkeit bei Weitem nicht abdecken“, sagt Markus Pretto vom RVD. Die gesetzliche Absicherung der Hinterbliebenen ist noch geringer, am meisten benachteiligt werden die Lebenspartner in unverheirateten Partnerschaften, die keinen ­Anspruch auf staatliche Unterstützung haben. „Hier muss man unbedingt rechtzeitig vorsorgen“, sagt Pretto. Eine günstige Vorsorgemöglichkeit, und das nicht nur für Landwirte, ist beispiels­weise der Raiffeisen Offener Pensionsfonds, mit dem man für die Pflege und Betreuung im Alter genug Geld zur Seite legen kann (siehe Interview).

Noch hat die Genossenschaft mit einigen Schwierigkeiten zu kämpfen. Zum einen mit dem Transport, denn die Höfe liegen oft abgelegen, für eine Tagesbetreuung ist die An- und ­Abreise zu aufwändig. Auch die Preise, die verlangt werden, sind höher als in einer Senioren­tagesstätte. Nicht zuletzt, weil das Verhältnis Betreuer zu Pflegendem oft 1:1 ist.

 

Aber es überwiegen die positiven Aspekte: Der Tapetenwechsel tut den Menschen gut, die Herausforderung belebt. „Immer wieder sagen uns die Angehörigen, dass die Senioren nach den Wochen bei uns fitter sind und frischer im Kopf“, sagt Maschik. „Viele kommen wieder, das ist ein gutes Zeichen.“

 

Weitere Infos unter:
www.seniorenbetreuung.it

PRIVATE VORSORGE – Wider die Rentenlücke

Kundenberater Manfred Gogl rät zum Raiffeisen Offener Pensionsfonds als wichtigen Beitrag zur Altersvorsorge und weiß, wie auch Landwirte profitieren. Manfred Gogl ist Leiter der Kundenberatung bei der Raiffeisenkasse Wipptal.

Herr Gogl, wieso sollte ich mich für einen Zusatzrentenfonds entscheiden?
Manfred Gogl: Das Rentensystem in Italien ist seit langem in der Krise, die Renten werden in Zukunft wesentlich niedriger sein, der Pflegebedarf steigt. Es gilt das Drei-Säulen-Prinzip. Die erste Säule ist die staatliche Rente, die zweite Säule die Zusatzrente und die dritte Säule die individuelle Vorsorge. Alle drei gemeinsam sollten meinen Lebensabend sichern. Zusatzrentenfonds bieten die ideale Möglichkeit, eine drohende Rentenlücke abzufedern.

Für wen ist der Raiffeisen Pensionsfonds geeignet?
Manfred Gogl: Seit 2007 muss jeder Angestellte entscheiden, was mit seiner Abfertigung passiert – lässt er sie im Betrieb oder tritt er einem Zusatzrentenfonds bei. Wir sehen, dass immer mehr den Raiffeisen Pensionsfonds wählen. Er findet großen Zuspruch sowohl bei Angestellten als auch bei Freiberuflern, Unternehmern und zu Lasten lebenden Familienmitgliedern. Die Kunden wissen den direkten Ansprechpartner vor Ort zu schätzen.


Wie riskant ist der Pensionsfonds?
Manfred Gogl: Je nach Risikoprofil und Anlagehorizont ­stehen vier Investitionslinien zur Auswahl. Je näher man an der ­Pensionierung ist, desto eher sollte man auf die sichere Linie setzen. Für einen jung Eingeschriebenen ist ein höherer Aktienanteil die interessantere Wahl, da der Aktienmarkt auf lange Sicht aufwärts geht.

Was ist das Besondere im Bereich Landwirtschaft?
Manfred Gogl: Ein Landwirt mit einem besteuerbaren Einkommen kann Einzahlungen in den Zusatzrentenfonds bis maximal 5.164 Euro absetzen. Aber auch für einen Landwirt, der kaum Steuern zahlt, ist der Pensionsfonds ein günstiges Vorsorge­produkt, das im Ablebensfall erbschaftssteuerfrei ist.