Ausgabe 05/17 -

Haushaltsgründung – Auf eigenen Füßen stehen

So vertraut und bequem das Elternhaus auch ist: Früher oder später möchte sich jeder vom Hotel Mama verabschieden und die ersten eigenen vier Wände beziehen. Ob direkt zu Beginn des Studiums oder nach Abschluss der Berufsausbildung: Die Haushaltsgründung will gut geplant und durchgerechnet sein.

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Barbara und Markus erwarten bald eine Tochter. Beide möchten zusammen­ziehen und mieten ein Reihenhaus mit Garten und ­Kindergarten gleich ums Eck. Roland ist 19 und gründet mit zwei Freunden eine Wohngemeinschaft an seinem Studienort. Maria ist 28, hat sich eine kleine Wohnung gekauft und zieht aus ihrem Elternhaus aus. Drei Beispiele, wie es sie aber zu hunderten und tausenden gibt. Auch wenn der Auszug aus dem Elternhaus seit Jahren alters­mäßig immer später stattfindet – so die Statis­ti­ken –, ist er ein wichtiger Meilenstein im Leben. Da die Haushaltsgröße in Südtirol seit ­Jahren kontinuierlich abnimmt – 1971 lebten 3,6 Personen in einem Haushalt zusammen, 2015 waren es nur noch 2,4 –, steigt die Zahl der Haushalte stetig an. Allein von 2001 bis 2015 kamen 43.217 Haushalte in Südtirol neu dazu, also über 3.000 Haushalte mehr pro Jahr.


Achtung, Kostenfalle

Mit einem neuen Haushalt bekommt man neue Freiheiten, es entstehen aber auch neue Verpflichtungen und Risiken. Wenn man nicht umsichtig plant, kann die neue Freiheit zu einem bösen Erwachen führen.
Südtirol ist ein Land mit hohen Miet- und Kaufpreisen bei Wohnungen, aber kaum steigenden Löhnen und Gehältern. Besonders für junge Menschen kann die Haushaltsgründung schnell zur Kostenfalle werden. Denn mit der Miete oder der Darlehensrate für die Wohnung allein ist es nicht getan, dazu kommen die Nebenkosten wie Strom, Gas und Kondominiumsgebühren ebenso wie die Ausgaben für den laufenden Lebensunterhalt, Telefon, Versicherungen u. v. m. Wenn man da eine Wohnung wählt, die das eigene Budget auch nur leicht übersteigt, entsteht ein ganzer Rattenschwanz an finanziellen Verpflichtungen und möglichen Engpässen. Kundenberater Alex Unterhauser von der Raiffeisenkasse Überetsch rät, den großen Schritt frühzeitig zu planen, sich genau zu informieren und beraten zu lassen.

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Mit einem neuen Haushalt bekommt man neue Freiheiten,
es entstehen aber auch neue Verpflichtungen und Risiken.

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Freiheiten und Verpflichtung im eigenen Haushalt

Finanzkompetenz gefragt

Wichtig für eine gelungene Haushaltsgründung ist die gute Vorbereitung. Einnahmen und Aus­gaben planen und die Kosten für die neue Wohnung schätzen. Schauen, ob unter dem Strich etwas übrig bleibt, für die Altersvorsorge oder als eiserne Reserve, und Sparmöglichkeiten ausloten. Ausschlaggebend für eine gute Planung ist die Finanzkompetenz. Den Umgang mit Geld – unab­hängig davon, wie viel man davon hat – lernt man im Elternhaus. „Wie es die Eltern im Haushalt vorleben, hat entscheidenden Einfluss auf die Finanzkompetenz der Jugend“, beobachtet Unterhauser. Er sagt, das Konsumverhalten habe sich ­geändert. „Wenn ich mit jungen Menschen über ein Sparprogramm rede, sagen sie oft, wieso soll ich jahrelang sparen und verzichten, wenn ich das Auto oder die Möbel sofort auf Raten kaufen kann.“

Die Jungen seien sich nicht immer des Risikos bewusst, dass die Raten bald auch die eigene Kaufkraft übersteigen könnten. „Aber es sind nicht alle so“, schränkt Unterhauser ein. Das Spektrum reiche vom Student, der gerade die Oberschule abgeschlossen hat und ziemlich unvorbereitet in eine WG zieht und bei dem die Eltern dann freiwillig oder gezwungenermaßen zahlen müssen, bis zum 35-jährigen angehenden Familienvater, der meist gut Bescheid wisse. Dann spielen auch die Eltern keine Rolle mehr. „Bei den Haushaltsgründern geht es ja oft darum, dass man etwas alleine macht, ohne Abhängigkeit von den Eltern. Beweisen, dass man selbstständig sein kann.“ Allgemein stellt Unterhauser der Jugend ein gutes Zeugnis aus: „Die Finanzkompetenz ist heute größer als früher, die Jugend informiert sich mehr. Und auch das bewusste Sparen gibt es noch.“


Viele Details zu klären

Ist die Finanzierung geklärt, sind aber noch ­viele andere Punkte offen. Um die schnelle und ­sichere Internetanbindung und -telefonie kann sich Raiffeisen OnLine (ROL) kümmern. Für Paare, die zusammenziehen, stellt sich die Frage nach einem gemeinsamen Konto. Der Vorteil dabei ist, dass alle laufenden Ausgaben wie für Lebensmittel, Strom und Gas darüber abgewickelt werden können. Überweist jeder monatlich einen Pauschalbetrag vom privaten Konto, sind die Ausgaben nachvollziehbar und transparent.

Man hat aber auch zusätzliche Spesen, und es ist zu klären, was im Todesfall eines der Kontoinhaber passiert.

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Die richtige Versicherung

Nicht zuletzt muss man sich einen Überblick über bestehende und notwendige Versicherungen verschaffen. „Eine Familienhaftpflichtversicherung ist unverzichtbar“, meint Thomas Gruber vom Raiffeisen Versicherungsdienst. Sie zahlt, wenn man bei anderen einen Schaden anrichtet, beispielsweise bei einem Wasserschaden, der auch die Nachbarswohnung lädiert. Die Pflicht zur Absicherung (eine Polizze pro Haushalt genügt) trifft auch Mieter, warnt Gruber: „denn ein Mieter haftet für Schäden, die er verursacht, und die Versicherung des Vermieters kann Regress führen.“
Zu achten sei vor allem auf den „ersten“ Auszug, also das Verlassen des Elternhauses. In diesem Moment fallen die über die Familie mitgenossenen Absicherungen weg und man muss sich selbst um

Hausratsversicherung, Haftpflicht, Rechtsschutz usw. kümmern. Das zweite große Paket im Bereich Versicherung sind die Absicherungen gegen Invalidität und Ableben. Denn selbst wenn das Schlimmste nicht ­eintritt, ist jemand, der gesundheitsbedingt durch Arbeits­unfähigkeit oder durch Behinderung nicht mehr oder nur mehr eingeschränkt arbeiten kann, von einer wichtigen Einnahmequelle abgeschnitten. Dies kann zu existentiellen Problemen führen.
Wer solide auf eigenen Füßen stehen will, sollte professionelle Beratung nicht scheuen. Es ist ein langer Weg, bis man all die Punkte abgearbeitet hat. Aber danach steht einem „neuen Leben“ im eigenen Haushalt nichts mehr im Wege. Für Barbara, Markus, Roland, Maria, und wie sie alle heißen.

Interview mit Alex Unterhauser
GELD UND HAUSHALT – „Nicht an der Versicherung sparen“

 

Alex Unterhauser rät zu frühzeitiger Planung und dem Abschluss einer Versicherung.

Herr Unterhauser, wie gründet man erfolgreich einen neuen Haushalt?
Alex Unterhauser: Eine Haushaltsgründung ist meist auch der Schritt in einen neuen Lebensabschnitt, der mit einer Menge Formalitäten verbunden ist. Um den Überblick nicht zu verlieren, ist es wichtig, früh genug zu planen. Damit wird am besten bereits in jungen Jahren begonnen, indem man monatlich mit Hilfe eines Sparprogramms finanzielle Reserven bildet. Eine genaue Kostenrechnung ist wichtig.

 

Wie nötig ist eine Beratung in der Raiffeisenkasse?
Alex Unterhauser: Eine professionelle Beratung ist hilfreich – sie wird auch immer mehr in Anspruch genommen. Die digitale Welt bietet zwar unendlich viele Informationen, aber das Schwierige ist, aus der Fülle an Infos das herauszufiltern, was man wirklich braucht. Ein persönliches Beratungsgespräch kann sie nicht ersetzen.

Wo liegen die Vorteile?
Alex Unterhauser: Die Haushaltsgründung bietet Gelegenheit, die persönliche Situation mit dem Kunden durchzugehen und auch Themen wie Vorsorge und Absicherung anzusprechen. Bei der Finanzplanung sollte man nichts dem Zufall überlassen und den Gesamtüberblick bewahren.

 

Welche Versicherungen sind empfehlenswert?
Alex Unterhauser: Empfehlenswert ist ein Versicherungspaket, das Schäden gegen Brand, Blitzschlag, Sturmschäden, Schäden von elektrischen Geräten absichert, Schutz gegen Einbruch bietet und eine private Familienhaftpflicht-, Gebäudehaftpflicht- und Rechtsschutzversicherung enthält. Das Paket kann man sich indi­viduell zusammenstellen.

 

Was ist der größte Fehler, den man machen kann?
Alex Unterhauser: Das Thema Absicherung ignorieren und hoffen, dass nichts passiert.

Alex Unterhauser ist Kundenberater in der Geschäftsstelle Tramin der Raiffeisenkasse Überetsch